WWE 12 Kritik - Gamereactor
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WWE 12

WWE 12

Die WWE arbeitet schon lange daran, die eigene Marke zu stärken. Die Abkehr vom weniger aussagekräftigen Namen Smackdown vs. Raw ist also die logische Konsequenz. Hoffentlich hat das Spiel noch mehr Neues zu bieten als nur einen neuen Namen.

Wenn man sich das Cover von WWE 12 mit dem finster dreinblickenden Randy Orton anguckt, könnte man meinen, dass es sich beim Wrestling um eine todernste Angelegenheit handelt. Auch der unheimlich gut inszenierte Trailer mit dem jüngsten World Champion aller Zeiten vermittelt ein ähnliches Bild. "Bigger, Badder, Better" ist der Slogan des Spiels. Man macht sich ja schon fast in die Hose. Tatsache ist doch, dass es sich beim Wrestling um nicht mehr als ein buntes Kindertheater handelt, bei dem sich ja niemand wirklich wehtut.

Als ich noch klein war und der Fernseher sich um meine Erziehung kümmerte, war auch ich ein großer Fan des Sports - wenn man das überhaupt so bezeichnen kann. Hulk Hogan gehörte zu meinen größten TV-Idolen und ich war natürlich der festen Überzeugung, dass sich die Muskelpakete ernsthaft die Fresse polieren. Ein Schulfreund erklärte mir irgendwann, dass das ja alles gar nicht echt und nur gespielt sei. Dass Gefühl, dass sich in diesem Moment in mir breit machte, erfahren wir alle ein Mal. Nämlich dann, wenn wir realisieren, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.

Nichtsdestotrotz habe ich auch heute noch große Achtung vor der Leistung der Wrestler. Es bedarf schon einer extremen Körperbeherrschung, sich und den Gegner bei den beeindruckenden Einlagen nicht zu verletzen. Darüber hinaus ist es faszinierend, welche Publikumsmassen die Events anziehen. Die Kämpfe, die das Medienunternehmen WWE veranstaltet, sind immer ein riesiges Spektakel. Sie sind laut, bunt und bis ins Detail inszeniert.

WWE 12
Die Präsentation kommt den originalen WWE-Events teilweise sehr nahe.

Inszenierung ist auch bei WWE 12 das Schlüsselwort, denn das Spiel lebt zu einem großen Teil davon. Die Einblendungen vor und während des Matches sowie der Einmarsch in die Arena stehen dem TV-Original in nichts nach. Manche Einmärsche, wie der des Undertakers, sind so episch aufgezogen, dass sie gut und gerne eine Minute dauern. Schade ist, dass die Übergänge von einem Einmarsch zum nächsten, wie auch zum Kampf von kurzen Ladezeiten unterbrochen werden.

Vom Aussehen her macht auch das bunte Publikum eine gute Figur. Die Zuschauer hüpfen wie wild, zeigen ihre vielen Pappschilder und winken fleißig. In akustischer Hinsicht kommen die Massen allerdings weniger gut rüber. Oft wirken sie stumm und scheinen den Ereignissen im Ring nicht zu folgen. Darüber hinaus sind die Kommentatoren eher unmotiviert. Das stört die Illusion einer TV-Übertragung sehr, nach einer Weile hören wir aber kaum noch hin.

Die Wrestler selbst sehen ziemlich ordentlich aus. Nicht mehr und nicht weniger. Die Mimik funktioniert meistens ganz okay und die Gesichter kommen ihren Vorbildern sehr nahe. Der glänzende Schweiß wirkt zwar manchmal etwas übertrieben, wer sich die Fernsehbilder aber anschaut stellt fest, dass die Wrestler tatsächlich so ölig aussehen. Eine High-End-Grafik braucht man von WWE 12 aber nicht erwarten.

Beim Anblick des sehr überschaubaren Tastenlayouts könnte man zu dem Schluss kommen, dass es sich bei WWE 12 um ein sehr schlichtes Kampfspiel handelt. Schließlich gibt es ja nur eine Taste für das Zuschlagen. Beim Spielen wird jedoch jedem schnell klar, dass es in Sachen Steuerung einiges zu lernen gibt und eine Menge Timing gefragt ist. Besonders bei den Griffen ist es erstaunlich, wie viele Möglichkeiten sich bieten. Und das mit einer simplen Stick-Bewegung. Die Submissions dagegen werden mit einfachem Button-Mashing gesteuert.

Das alles sieht dank der so genannten Predator-Technologie deutlich besser aus als im Vorgänger, doch so richtig flüssig wirken die Animationen immer noch nicht. Der Wechsel von einem zum nächsten Bewegungsablauf ist oft deutlich zu erkennen und das nicht nur bei den schwierig zu gestaltenden Griffen. Häufig wirken Animationen auch etwas zu langsam, andere wiederum ein wenig zu schnell. Darüber hinaus bewegen sich die Kämpfer immer wieder sehr ungelenk.

Im Zuge der technischen Auffrischung sollte auch die Künstliche Intelligenz verbessert werden. Zwar agieren die computergesteuerten Wrestler deutlich klüger als noch in WWE Smackdown vs. Raw 2011, dennoch ist man hier noch weit von einem ordentlichen Ergebnis entfernt. Die Computergegner stehen oft einfach nur herum oder stellen sich in ihren Aktionen dumm an. Im Umgang mit Fremdgegenständen wie beispielsweise Leitern bekommt das ganze eine unfreiwillig komische Note.

WWE 12
Die Modi-Menge ist erstaunlich - dazu gehört auch ein Feuerring, in dem Diven wie WWE-Stars der Hintern brennt.

Eine große Stärke von WWE 12 ist der beeindruckende Umfang. Auf dem Weg in Richtung Kampf können wir zwischen unzähligen Modi wählen. Kämpfen wir nur zu zweit oder doch lieber zu viert? Warum nicht mal zu sechst? Nehmen wir den klassischen Ring, den Stahlkäfig oder kämpfen wir von einer Flammenwand umgeben? Wer will, kann aber auch ein paar Klappleitern ins Spiel bringen.

Im Zentrum der großen Modi-Flut steht die Road to Wrestlemania, sozusagen der Story-Modus in WWE 12. Hier erwarten uns dramatische Geschichten mit jeder Menge Wendungen und Überraschungen. Zumindest das, was Wrestling-Fans darunter verstehen. Der Modus bleibt aber leider schwach. Die zu erledigenden Aufgaben sind auf plumpe Weise ins Spiel eingebaut und ausgerechnet hier schwächelt die Inszenierung. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Wrestler hier am meisten reden.

Der Rooster umfasst 60 Wrestler, von denen nur Brock Lesnar neu mit dabei ist. 14 weitere Kämpfer gibt es auf Wunsch als Downloadinhalt. Über den Rest der Truppe, über die Stars, die Fans der Serie sowieso schon kennen, muss nichts weiter gesagt werden. Was ich an dieser Stelle doch noch loswerden muss: Es ist sehr schade, dass es im WWE-Universum nur wenige Charaktere gibt, die sich nicht todernst präsentieren.

WWE 12
Der Editor ist mächtig und erlaubt es, sehr eigenartige Gestalten zu bauen.

Mark Henry, der in seinem fleischfarbenen Trikot aussieht wie ein 200-Kilo-Bonbon oder Zack Ryder mit seinen rosa Klamotten und dem tuckigen Auftreten sind hier nur angenehme Randerscheinungen. Die WWE-Diven in ihren knappen Outfits sind übrigens auch mit dabei. Im Fernsehen befeuern die hübschen Damen ja eigentlich nur die Notgeilheit der Zuschauer. Ich bete dafür, dass das beim Spiel nicht so ist.

Reicht uns das nicht aus, erschaffen wir mit dem umfangreichen Editor einfach neue Wrestler ganz nach unseren eigenen Wünschen. Auch wenn die Haut-Texturen nicht immer die hübschesten sind, macht das Gestalten seines eigenen Kämpfers eine Menge Spaß. Schön ist, dass wir auch solche Details wie Narben, Pickel und Tattoos hinzufügen können. Per Regler altert der Kämpfer, was sehr toll aussieht. Dass wir unsere Schöpfung auch mit ordentlich Schminke eindecken dürfen, versteht sich von selbst. Im Editor wird jedenfalls deutlich, dass die Entwickler das Wrestling auch nicht mit allzu großem Ernst wahrnehmen. Es stehen zwar bei Körpermaßen ähnlich viele Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung wie in vielen anderen Sportspielen mit ordentlichem Editor, allerdings lassen sich hier die Werte deutlich weiter ausreizen. Das geht dann bis ins komplett lächerliche.

Im totalen Rausch der Regler erschuf ich ein mehr als abstoßendes Wesen. Den Oberkörper so muskulös wie nur möglich. Die Beine dünn wie Besenstiele, die Füße rund wie Hufe. Dazu ein fürchterliches Gesicht, in dem sich eine Nase nach Missbrauch der Regler zu einem ekligen Horn verformte. Die grüne Farbe auf dem Riecher unterstrich dies noch. Knallrote Kontaktlinsen und eine Clowns-Frisur rundeten das ganze noch ab. Der Anblick, wie dieses teuflische Geschöpf durch den Ring stakst, wird mich noch eine Weile in meinen Träumen verfolgen.

Ich werde mir zwar auch in Zukunft lieber ansehen, wie sich in MMA-Kämpfen die Typen so richtig aufs Maul geben. So richtig mit Aua-Weh und so. Dennoch haben Randy Orton und Co. mit diesem Spiel den Einzug in mein Wohnzimmer geschafft. WWE 12 ist ein gutes Spiel, dass selbst mir als Wrestling-Muffel eine Menge Spaß bereitet. Es ist zwar gegenüber dem Vorgänger keine große Verbesserung, aber immerhin eine kleine Wendung in die richtige Richtung. Vor allem die Künstliche Intelligenz ist es, die das Spielgefühl noch am meisten stört. Davon abgesehen bekommen Wrestling-Fans ein Spiel, das mindestens so laut und bunt ist wie das Original.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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Fernsehreife Präsentation, 60 Wrestler, gelungene Steuerung, witziger Editor, viele Modi
-
schwacher Story-Modus, dumme KI, unmotivierter Kommentar, teils ungelenke Animationen
overall score
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