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Stick it to the Man!

Stick It To The Man!

Die Gedanken der anderen mithilfe eines gigantischen, pinkfarbenen Arms lesen - dieser Traum wird endlich wahr. Dazu gibt's solide Jump'n'Run-Kost mit jeder Menge Humor.

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Ray hat ein ziemlich schweres Leben. Sein Beruf besteht nämlich darin, sich schwere Objekte auf den Kopf fallen zu lassen, um Helme auf ihre Tauglichkeit zu testen. Eines schönen Tages aber, Ray befindet sich gerade auf dem Weg nach Hause, fällt etwas vom Himmel und trifft ihn auf den Kopf. Und dieses Etwas ändert alles. Plötzlich kann Ray Gedankenlesen - und zwar dank eines riesigen, pinkfarbenen Armes, der aus seinem Kopf hervorsteht. Zusammengefasst ist das die Handlung eines Sony-Abenteuers, das sich Stick It To The Man! nennt.

Es stellt sich heraus, dass das erwähnte Etwas von einer schattenhaften Figur gesucht wird, die sich "The Man" nennt. Im Folgenden werden eine Reihe von Ereignissen losgetreten, bei denen Ray eine Irrenanstalt, Traumlandschaften, Vorstellungswelten und den Weltraum durchreist. Es ist ein lustiges Abenteuer, das vor allem sich selbst nicht besonders ernst nimmt.

Der rosafarbene Arm, der aus Rays Kopf ragt, lässt ihn die Gedanken der Charaktere lesen, die uns während der zehn Kapitel begegnen. Doch nicht nur das: Ray kann sie auch sammeln. Ideen oder Objekte, die sich in Form von Stickern manifestieren, lassen sich mit dem Arm nämlich greifen. Später setzen wir die gesammelten Aufkleber ein, um Rätsel zu lösen.

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Vor allem die Charaktere bleiben im Gedächtnis und sind teilweise regelrecht beunruhigend aufwühlend.

Doch Vorsicht: Es gibt Wachen. Im Level, das sich rund um eine Irrenanstalt dreht, sind das etwa Krankenschwestern. Die jagen uns, wenn sie uns in den Schleich- oder Jump'n'Run-Sektionen erwischen. Schlimmer: Sie hindern uns daran, die Rätsel in diesem Abschnitt zu lösen. Zum Glück haben die Aufpasser so ihre Gedanken, die wir gegen sie ausspielen. Manchmal sind sie sehr schläfrig, dann greifen wir uns die "Zzz"-Symbole über ihrem Kopf und klatschen sie ihnen ins Gesicht, um sie einzuschläfern. Oder sie denken gerade an unser Gesicht. Dann schnappen wir uns Aufkleber mit eben jenem, kleben sie auf die Wachen und lassen sie sich gegenseitig jagen. Alle Figuren sind übrigens selbst dünn wie Papier. Ein weiteres Element aus dem Jump'n'Run-Genre ist, dass wir unseren Arm nutzen, um uns an den Wänden an der Außenseite des Gebäudes entlang zu schwingen.

Ich würde euch keinen Gefallen damit tun, die Rätsel zu erklären, denn gerade die machen den Humor in Stick It To The Man! aus. Ich möchte aber ein Beispiel geben, um zu beschreiben. Zu einer gewagten Flucht gehört zum Beispiel, einem ganz offenkundig verrückten Charakter, der stark an Waljäger Ahab erinnert, zu erklären, wie man aus einem toten Wal ein Floß baut. Nur so viel: Die Lösung beinhaltet einen Tierpräperator und einen hyperventilierenden Angsthasen.

Die Rätsel haben viel mit den alten Point&Klick-Adventures zu tun. Die Denkaufgaben sind allerdings nicht so komplex, dafür passen die Spielmenchaniken perfekt zu dem 2D-Jump'n'Run. Stick It To The Man! erinnert deshalb vor allem an Double Fines The Cave. Der Ton ist ein wenig anders und die Stimmen sind verzerrter, aber wem Ron Gilberts Koop-Adventure gefallen hat, dem sollte auch Stick It To The Man! viel Freude bereiten.

Stick it to the Man!
Die Rätsel haben viel mit den alten Point&Klick-Adventures zu tun. Die Denkaufgaben sind allerdings nicht so komplex.

Etwas, das sofort auffällt, ist die hohe Qualität der Gestaltung und des Designs. Beides wirkt über weite Strecken einzigartig und genial. Wir begegnen zum Beispiel einem Mann auf dem Dach der Irrenanstalt, der sich selbst für einen Käse hält. Oder einem Mafia-Boss mit glänzenden Zähnen, dem tanzenden Alter-Ego eines Arztes und noch vielen anderen wunderschön gestalteten Figuren. Technisch reißt der Titel keine Bäume aus, aber es gelingt ihm, trotz einfacher Animationen großartig auszusehen.

Es gibt einige kleinere Elemente, die uns in Stick It To The Man! ziemlich gut gefallen. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, die inneren Monologe der Charaktere zu beschleunigen. Obwohl diese für einige der Highlights des Spiels sorgen, wollen wir die inneren Gespräche der schläfrigen Wachen nicht wieder und wieder hören, wenn wir ihnen in schweren Schleichpassagen nach etlichen Neuversuchen mehrmals begegnen.

Wenn im Kopf sehr fit ist, rast geradezu durch die zehn Kapitel. Beim ersten Versuch kriegt man kaum alle Trophäen, davon abgesehen gibt es aber kaum Wiederspielwert. Für die Gold-Trophäe müssen wir die Gedanken aller Charaktere im gesamten Spiel gelesen haben. Und Platin gibt es nicht. Gespielt habe ich Stick It To The Man! zwar auf der PS Vita, erhältlich ist das Spiel aber auch für Playstation 3 und bald auch via Steam. Wegen der gerade genannten Kritikpunkte ist der Preis für das Hüpfabenteuer ein wenig hoch angesetzt, vor allem wenn man ihn mit denen im Playstation-Network-Store üblichen Kursen vergleicht.

Es gibt aber auch an anderen Stellen noch Möglichkeiten zur Verbesserung. Dazu zählen die etwas schlampigen Action-Sequenzen, wenn Gegner und Bilder nah beieinander sind und wir das Gewünschte in der Hektik des Moments nicht so recht treffen. Trotzdem: Stick It To The Man! ist ein Spiel, das vor allem Spielern gefallen dürfte, die sich nach mehr Humor auf ihren Bildschirmen sehnen und einfache Rätsel zu schätzen wissen. Die Ästhetik hebt Stick It To The Man! noch einmal besonders hervor, doch auch davon abgesehen, steckt der Titel voller schöner Details. Vor allem die Charaktere bleiben im Gedächtnis und sind teilweise regelrecht beunruhigend aufwühlend.

Stick it to the Man!
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
großartige Story und Charaktere, unterhaltsame Rätsel, jede Menge Humor, gute Spielmechaniken
-
Steuerung mit dem pinken Arm nicht präzise genug, unausgeglichenes Trophäen-System, kaum Wiederspielwert
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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