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Serious Sam 4: Planet Badass

Serious Sam 4: Planet Badass

Nach einer kurzen Pause ist Serious Sam wieder zurück, in seinem bislang enttäuschendsten Ausflug.

  • Kieran Harris

Die explosive, Over-the-Top-Shooter-Reihe Serious Sam ist nach neun Jahren Pause zurück. Serious Sam 4: Planet Badass verspricht den gleichen hirnlosen Spaß wie seine Vorgänger und zwar auf moderner Hardware. Der Plot spielt noch vor den Ereignissen von Serious Sam (1) und deshalb macht sich unser Titelheld mit seiner Söldnergruppe im Schlepptau auf nach Europa, wo der Heilige Gral zu finden sein soll, mit dem wir die Alieninvasion abwenden können. Wie zu erwarten ist die Story absoluter Quatsch, denn die handelnden Charaktere durchbrechen ständig die vierte Wand und kommentieren, wie albern das alles ist.

Ich beschwere mich nicht über die spaßige Prämisse, doch die Dialoge sind unabhängig vom Trash-Faktor furchtbar und werden zudem total hölzern und steif vorgetragen. In einer Szene am Anfang streiten sich die Charaktere um den besten Einzeiler, doch das zieht sich ewig hin und ist absolut nicht lustig. Obwohl die Story ab und zu ins Stolpern gerät, ist die Action so wahnsinnig und chaotisch wie immer.

Das Gunplay ist ebenfalls solide und ich mag die Kreativität des Monster-Designs, auch wenn wir auf viele bekannte Fratzen aus den älteren Teilen treffen. Mein neuer Lieblingsgegner sind die Vampire, die uns rammen und dann wild am Bildschirm rütteln, oder diese riesigen Brutalos mit ihren fetten Hämmern. Diese Typen sind nur von hinten verwundbar, wir müssen sie also ausmanövrieren. Häufig sind mehr als zwanzig Gegner gleichzeitig im Bild und unsere Munition ist begrenzt, weshalb unsere Vorgehensweise klug geplant sein will.

Serious Sam 4: Planet BadassSerious Sam 4: Planet Badass
Uns stehen ein paar spaßige Werkzeuge zur Verfügung und das ist auch bitter nötig, weil sich die Kämpfe ordentlich in die Länge ziehen.

Die vielen Gegnertypen gehören sicher zu den Stärken des Spiels, doch die Feind-KI agiert oft noch ebenso dämlich, wie sie es bereits im Original getan hat. In den Feuergefechten ignorieren mich Feinde, auf die ich gerade feuere, weil sie sich stattdessen nur auf einen meiner Kollegen konzentrieren. Die Bosse sind auch eher Pappaufsteller, obwohl sie in den Zwischensequenzen groß angekündigt werden. Der erste Boss zum Beispiel lässt sich mit unserer Chaingun und fast unendlicher Munition ganz locker wegballern - viel zu leicht.

Die Waffenauswahl ist solide und mir gefällt der neue Skillbaum, der für zusätzliche Fähigkeiten sorgt. Wir können mittlerweile auf Gegnern reiten oder bekommen für Abschüsse Gesundheit und Munition wieder (Doom lässt grüßen). Die Skillpunkte erhalten wir beim Einsammeln bestimmter Gegenstände, die in der Welt zu finden sind. Das ist alles nicht wirklich neu, allerdings bringt die neue Mechanik mehr Taktik in die sonst eher hirnlosen Feuergefechte. Uns stehen auch ein paar spaßige Werkzeuge zur Verfügung, wie ein tragbares schwarzes Loch, das unsere Feinde einfach einsaugt, oder ein Hologramm, das Feinde erst anlockt und dann explodiert. Erwähnenswert ist meiner Meinung nach auch diese Pistole, die Kanonenkugeln verschießt.

Die Kampagne besteht aus 16 Leveln mit ähnlicher Struktur: Wir folgen linearen Pfaden, geraten in schwere Feuergefechte und am Ende wartet häufig ein Endgegner darauf, von uns unangespitzt in den Boden gerammt zu werden. Die Schießereien machen viel Freude, aber manchmal werden die Szenarios durch wiederkehrende Gegnerwellen in die Länge gezogen. Das Ganze wird durch optionale Nebenaufgaben aufgelockert, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt und uns mit nützlichen Power-Ups oder Gadgets belohnt. Besonders aufregend sind die Aufgaben nicht - mal müssen wir einen NPC beschützen oder wir sollen bestimmte Gegenstände einsammeln.

Eine Mechanik wirkt sehr archaisch, denn sobald wir ins Gras beißen wird ein alter Speicherstand geladen (wir legen also nicht einfach mit frischem Gesundheitsbalken wieder los). Unsere Lebensenergie regeneriert sich nicht von allein, deshalb müssen wir Medikits einsammeln. Dass wir uns dadurch manchmal in ziemlich unangenehmen Situationen wiederfinden, ist wahrscheinlich beabsichtigt. Natürlich können wir einen alten Speicherstand laden und versuchen eine Stelle unbeschadet(er) zu überstehen, aber das sorgt einfach für unnötige Wiederholungen.

Serious Sam 4: Planet BadassSerious Sam 4: Planet Badass
Häufig sind mehr als zwanzig Gegner gleichzeitig im Bild und unsere Munition ist begrenzt, weshalb unsere Vorgehensweise klug geplant sein will.

Serious Sam 4 wird zudem von technischen Problemen geplagt: Die Gegner bleiben im Gelände stecken, die Texturen flackern und manchmal sind die Ladezeiten unerwartet lang. Das ist nichts was einen Neustart erfordert hätte, aber es kam eben erstaunlich oft zu solchen Vorfällen. Die Entwickler haben bereits versprochen daran zu arbeiten, aber die Probleme waren vor der Veröffentlichung doch sehr präsent, obwohl das Spiel ja mehrfach verschoben wurde.

Die Präsentation ist ebenfalls eine bunte Wundertüte. Die Musik ist toll und viele energiegeladene Hard-Rock-Songs unterstützen die Action, aber wenn die Gegner erst einmal besiegt sind, stoppt die Musik plötzlich und es macht sich eine unangenehme Stille breit. Die Straßen Roms und die blühenden Felder in Frankreich sehen toll aus und sind voller Details, dagegen wirken die Charaktermodelle veraltet - fast schon, als würden sie aus einem völlig anderen Spiel stammen.

Serious Sam 4: Planet Badass ist vermutlich der größte Fehltritt der Reihe und deshalb wirklich nur Hardcore-Fans zu empfehlen. Die Dialoge sind schwach, die Ballerei wurde unnötig in die Länge gezogen, es gibt etliche technische Probleme und insgesamt fehlt es dem Spiel einfach an Politur. Ich muss zugeben, dass ich meinen Spaß mit den hirnlosen Schießereien, den unterschiedlichen Waffen und den vielen Gegnertypen hatte, aber es lohnt sich wirklich nicht, sich dafür den vielen Probleme auszusetzen.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10
+
kreative Feind-Designs, Spiel führt einen Fähigkeitsbaum in die Serie ein, die Gadgets machen Spaß.
-
es gibt eine Fülle von Fehlern, die Dialoge sind schmerzhaft unlustig und die Gefechte ziehen sich endlos in die Länge.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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