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Mafia: Definitive Edition

Mafia: Definitive Edition

Hangar 13 ist zurück mit einem weiteren Gangster-Klassiker, der für das moderne Publikum von Grund auf neu gebaut wurde.

Hangar 13 hatte es in den letzten Jahren nicht leicht. Mafia III hat zwar Millionen von Kopien verkauft, es wurde von der Presse aber nicht sonderlich gut aufgenommen. Dazu kommt, dass das Studio bei Take-Two einen sehr erfolgreichen Konkurrenten hat, der ebenfalls Open-World-Titel im kriminellen Milieu anbietet - ihr wisst schon, wen ich meine. Danach wurden - wenn man Jason Schreier Glauben schenken darf - etliche Prototypen entwickelt und wieder verschrottet, die Moral dürfte dementsprechend im Keller gewesen sein. Es hat sicher nicht geholfen, dass die erst kürzlich veröffentlichte Mafia II: Definitive Edition eine halbherzige Angelegenheit war.

Kurz gesagt, Hangar 13 braucht einen Erfolg und da ist ein Remake des originalen Mafia sicher kein schlechter Startpunkt. Der erste Teil der Trilogie gilt in weiten Kreisen immerhin als das beste Spiel der Reihe. Das Game wurde für sein bahnbrechendes Design, die spielerischen Freiheiten und den großen Fokus auf Realismus gelobt, was damals ziemlich innovativ war. Das Spiel zurückzubringen und uns daran zu erinnern, was die Serie so groß gemacht hat, während gleichzeitig neue, kreative Energie mit einem erfolgreichen Erfolg geschöpft wird, das klingt doch nach einer klassischen Win-Win-Situation, oder?

Räumen wir das besser gleich aus dem Weg: Nein, es ist kein Sieg für Hangar 13 und ich werde das Gefühl nicht los, dass hier eine große Chance verschenkt wurde. Das Spiel ist nicht schlecht, absolut nicht. Aber bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, will ich euch eine kleine Zusammenfassung von dem gegeben, was da ist und was eben nicht: Die Struktur ist im Wesentlichen gleich geblieben. Die Missionen, die grundsätzlichen Mechaniken und die Beziehung zwischen der offenen Welt und den linearen Missionen, sind identisch mit dem Original. Natürlich kann dieses Spiel nicht mit Titeln, wie etwa Final Fantasy VII: Remake verglichen werden, denn Square Enix hat ihr großartiges Original wesentlich ambitionierter transformiert.

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Die Story reißt zwar niemanden vom Hocker, das war auch beim Original so, aber sie wird trotzdem sehr effektiv erzählt.

Natürlich ist nicht alles gleich geblieben, denn das hier ist ein Remake und kein Remaster. Das Spiel wurde von Grund auf neu in der Illusion-Engine des Teams entwickelt, das war bereits das Fundament von Mafia III. Der dritte Teil ist jedoch nicht unbedingt für seine solide, technische Grundlage bekannt und die Engine liefert auch keine atemberaubende Grafik. Das Resultat ist trotzdem ein Spiel, das wie aus dem Jahr 2020 wirkt und nicht wie eine Antiquität, die mit etwas Spucke und Politur aufgehübscht wurde.

Die Sprachausgabe wurde ebenfalls neu aufgenommen und Darsteller haben die Motion-Capture-Sequenzen nachvertont. Der Soundtrack ist frisch und klingt jetzt sogar noch beeindruckender als vorher. Die meiste Arbeit wurde aber in die Stadt selbst gesteckt - Lost Heaven. Hangar 13 studierte ausgiebig große, amerikanische Städte der Zwanziger- und Dreißigerjahre und das Resultat stellt detailliertere Distrikte dar, in denen die Architektur auch die Unterschiede in der Bevölkerung widerspiegelt.

Schon nach ein paar Minuten wird klar, dass die Ambitionen für das Spiel immerhin groß genug waren, um Mafia: Definitive Edition zu einem echten Remake zu machen. Und wie spielt es sich? Es ist ganz in Ordnung und es gibt zweifellos Momente, in denen es dieses Spiel schafft, sowohl den Geist des Originals einzufangen, als auch das Spiel modern wirken zu lassen. Wir bekommen genau das, was wir von einem soliden Remake erwarten. Leider gelingt dem Team das alles nicht ohne den einen oder anderen Schluckauf zwischendurch, allerdings sind einige der Fehler tatsächlich ziemlich ernst.

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Die Verbindung zur physischen Welt ist so dünn, dass wir nie dazu motiviert werden, einer Straße zu folgen, wenn sie uns nicht direkt zum Missionsziel führt.

Es ist nämlich nicht unbedingt eine glückliche Hochzeit zwischen der Mafia-III-Engine und der darunter liegenden Struktur des Originals. Genau wie in Mafia III bewegt sich Tommy Angelo eher unbeholfen und wenn er von A nach B läuft, in Deckung geht oder sich auf engem Raum bewegt, dann zeigt sich deutlich, wie ungenau die Steuerung geraten ist. Auch wenn sich nicht jeder für das Gewicht und die Gravitation der Bewegungen in Red Dead Redemption 2 interessiert - es ist genau das, was der Mafia: Definitive Edition fehlt. In keinem Moment herrschen hier Zweifel daran, dass wir einen digitalen Avatar steuern - wir werden nie selbst zu Tommy, was wirklich schade ist.

Es fühlt sich zudem sehr nach verschwendetem Potential an, dass Hangar so viel Arbeit in das Design der Stadt gesteckt hat, nur um dann zu vergessen, Spielern in dieser Welt etwas Wesentliches zu tun zu geben. Das Original nutze seine Kulisse als Kontext, denn die Stadt diente dort lediglich als schicke 3D-Leinwand, die der linearen Story und den Missionen Struktur verleihen sollte. Es war die Illusion einer lebendigen Umgebung. Genau wie L.A. Noire und auch Mafia 2 ist Mafia nämlich eine eher lineare Erzählung, was natürlich kein Problem ist. Aber als Spieler hatte ich immer das Bedürfnis, Lost Heaven weiter zu erkunden, nur liefert uns das Spiel dafür keinen Grund.

Bei diesem einen Aspekt wäre es vielleicht gut gewesen, sich etwas vom Original zu lösen. Es hätte kein sinnloses Füllmaterial geben müssen, aber vielleicht ein paar Bosse, Geschäfte zum Ausrauben oder einfach etwas Kleidung für unseren Charakter. Wir haben kein Geld im Spiel, es kostet uns also keinen Cent, unseren Wagen zu tanken oder ein Ticket von den Cops verpasst zu bekommen. Die Verbindung zur physischen Welt ist so dünn, dass wir nie dazu motiviert werden, einer Straße zu folgen, wenn sie uns nicht direkt zum Missionsziel führt. Ein Remake sollte sich solcher Dinge annehmen, was soll das Ganze sonst?

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In keinem Moment herrschen hier Zweifel daran, dass wir einen digitalen Avatar steuern - wir werden nie selbst zu Tommy.

Zum Glück bietet Mafia: Definitive Edition trotzdem gute Unterhaltung, zumindest wenn ihr das verschwendete Potential der offenen Spielwelt ignorieren könnt und einfach die lineare Spielstruktur genießt. Auch wenn die Schießereien, die Verfolgungsjagden und die langen Fahrten zwischen den Missionszielen nicht unbedingt innovativ sind - die linearen Missionen sind relativ abwechslungsreich gestaltet. Es gibt aber nur zehn Waffen im Spiel und sobald ihr euch mit dem Gewehr, der Tommy Gun und der Schrotflinte vertraut gemacht habt, kommt nicht mehr viel.

Ich würde euch den Klassik-Schwierigkeitsgrad empfehlen, denn der sorgt für schlauere Cops und zeigt die Gegner nicht mehr auf der Minikarte an. Ihr könnt diverse Parameter des Spiels verändern, wie etwa die Aufmerksamkeit der Polizei oder ob ihr manuelle oder automatische Schaltung in den Fahrzeugen haben wollt. Die Story reißt zwar niemanden vom Hocker, das war auch beim Original so, aber sie wird trotzdem sehr effektiv erzählt. Dank der akzeptablen Grafik, der ordentlichen Sprachausgabe und dem gelungenen Soundtrack entwickeln wir langsam eine Verbindung zu den Leuten, auf die wir treffen. Außerdem bieten die Missionen genug Spektakel, damit auch für Unterhaltung gesorgt ist.

Noch ein paar Worte zum Fahrverhalten: Hangar ist es gelungen, dass Fahrgefühl und das Gewicht der damaligen Wagen einzufangen und trotzdem lassen sie sich gut genug manövrieren, sodass wir mit ihnen auch Verfolgungsjagden erfolgreich abschließen können. Aber wie schon gesagt: Warum die üblichen Wege verlassen, wenn es keine interessanten Ziele gibt?

Wenn ihr euch mehr gewünscht habt - ein Original-Mafia 2.0, eine neue und modernisierte Version all jener Aspekte, die die Vorlage so großartig gemacht haben, in einem schicken Paket, mit neuen Inhalten - dann werdet ihr vielleicht ebenfalls enttäuscht zurückgelassen. In diesem Spiel bekommt ihr eine relativ gradlinige Überarbeitung des Originals, mit neuen Assets in einer frischen Engine - aber leider nicht viel mehr als das. Hangar 13 muss wohl noch länger auf einen echten Erfolg warten, obwohl das Spiel keineswegs inkompetent, sondern sogar sehr unterhaltsam ist. Ich hätte euch nur gerne über mehr neue Dinge berichtet.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
feine Missionen, akzeptable Geschichte, großartige Originalpartitur, solide Fahrzeugphysik, großartige Welt.
-
völlig leere Welt, ungenaue Steuerung, hier und da technische Fehler.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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