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Kick Off Revival

Kick Off Revival

Die klassische Fußballsimulation von Dino Dini feiert ihr Comeback - und unser Fußballexperte Mike schickt das Game zusammen mit England nach Hause.

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Sir Alex Ferguson hat mal gesagt, dass das Filippho Inzahgi wohl "im Abseits geboren worden ist". Das gilt ein bisschen auch für Kick Off Revival. Natürlich bezog sich die Aussage des legendären Trainers auf Inzaghis Status als jener Fußballer, der am meisten im Abseits stand. Aber bezüglich Dino Dinis Rückkehr auf den Platz fühlt es sich eher so an, als hätte der den Pass ein wenig zu spät gesehen und seinen Lauf gleichzeitig etwas zu früh gestartet. Eine schöne Analogie, auch wenn es in Kick Off Revival keine Abseitsregel gibt.

Nun, die Welt hat sich weitergedreht seit das Original in den späten Achtzigern erschienen ist. Und auch wenn Kick Off Revival nicht völlig ohne Verdienste ist, so setzt es doch sehr auf die alte Schule - und das zeigt sich. Das Spiel sieht alt aus und fühlt sich leider primitiv an. Das ist zwar irgendwie auch der Punkt und die Idee des Revivals, also keine echte Kritik, aber es bedeutet eben auch, dass es in einem Topf mit vielen anderen sonderbaren und extrem schlichten Top-Down-Fußballspielen landet, von denen schon Unmengen für die mobilen Geräte existieren.

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Alles sieht extrem schlicht aus, es fehlen zudem hübsche Details im Hintergrund, auf dem Platz oder irgendwo sonst.

Kick Off Revival macht alleine nicht besonders viel Spaß. Das fehlende Abseits bedeutet, dass die CPU oft den Ball zum Stürmer im Abseits bolzt und ein Tor schießt. Es ist also offensichtlich keine Fußball-Simulation und behauptet das auch nicht. Aber mit dem Ignorieren der Regeln verlässt es sich komplett auf sein Arcade-Gameplay und seinen Retro-Stil, ist dabei aber so schwer zu steuern und im Moment kann man kaum behaupten, es wäre überhaupt schon fertiggestellt.

Man kann ein Match immerhin bis zum Ende spielen - es ist also nicht komplett unspielbar. Aber man kann zum Beispiel nichts anderes machen, als den Ball bis zur Mittellinie zu kicken. Jedes mal, wenn der Torhüter den Ball hat, kommt es quasi zum Reset, so als würde der Ball über der Mitte eines Kickertischs fallen gelassen. Das bestimmt dann auch das Tempo eines jeden Spiels. Die Entwickler haben angedeutet, dass sie daran arbeiten. Wenn man bedenkt, dass gerade die Europameisterschaft in Frankreich läuft und alle Teams des Spiels mit dabei sind, sollten sie sich vielleicht besser ein bisschen beeilen.

Es gibt noch mehr Anzeichen dafür, dass sie sich für ihr Spiel wohl zu wenig Zeit gelassen haben. Es gibt weder rote noch gelbe Karten. Es kommt zu Strafstößen bei einem Foul im Strafraum, aber nicht bei Pokal-Spielen, stattdessen werden hier die Spielzüge einfach wiederholt. Wenn der Torhüter den Ball festhält und der trotzdem die Linie überquert, geht das Spiel weiter, als wäre nichts passiert. Und es sieht extrem schlicht aus, es fehlen zudem hübsche Details im Hintergrund, auf dem Platz oder irgendwo sonst. Optisch ist es sehr, sehr reduziert - hier hätte man sich eindeutig mehr bemühen müssen, um den Spielern mehr Persönlichkeit und den Zuschauern mehr Energie zu geben. Es ist funktional, mehr nicht.

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Mit so vielen Alternativen auf dem Markt und einer Version, die sich noch derart unfertig anfühlt, kann man das Spiel zur Zeit nicht wirklich empfehlen.

Die Steuerung ist lobenswert einfach, aber auch wenn alles auf dem Analogstick und einem Knopf basiert, braucht es viel zu lange, um damit auch nur annähernd kompetent umzugehen. Da es nur so wenige Optionen gibt, sind die wenigen verfügbaren sehr nuanciert. Man muss vielleicht nicht viele Knöpfe drücken, aber es dauert trotzdem länger als nötig, um die Grundlagen zu begreifen. Es wird machen Spielern sicher Freude machen, die Steuerung zu zähmen, denn es gibt viel Spielraum wenn man sie erst beherrscht. Dennoch: Der gesamte Spaß, der vielleicht durch das Kontrollschema entstehen kann, wird durch die Design-Beschränkungen bei anderen Dingen wie Torwart oder KI zerstört.

Es gibt eine Einzelspieler-Kampagne, bei der man mit einem Team aus der Euro 2016 das gesamte Turnier spielen kann. Aber wie schon gesagt - es macht momentan keinen Spaß, das Spiel alleine zu spielen (und viel Glück mit dem Practice-Modus!). Es wird etwas besser, wenn man gegen einen Freund spielt, vor allem weil das Fähigkeitendefizit sinkt und die Spiele so mehr zu richtigen Wettbewerben werden. Die schwierige Steuerung sorgt aber dafür, dass beide Spieler alberne Fehler machen, die aber weniger frustrierend sind, weil man dafür weniger hart bestraft wird. Wenn beide die Steuerung beherrschen, können die Spiele sogar Spaß machen. Das gilt auch für die Onlineduelle gegen zufällige Gegner, aber die fehlenden Konsequenzen für aggressives Spiel bedeuten, dass man in Grund und Boden gefault wird, wenn man auch nur an den Ball kommt und tatsächlich versuchen will zu spielen - falls man an die falsche Sorte Spieler gerät. Trotz der starken Kritik legt das Spiel einen Purismus an den Tag, der manchen Spielern wirklich gefallen könnte, wenn sie nicht schon vorher von den vielen Schwächen abgeschreckt werden.

Es wird ganz offensichtlich noch mehr Inhalte in den nächsten Monaten geben - sowohl Verbesserungen als auch DLC sind geplant. Es braucht einen Editor für Spielernamen und vieles mehr. Sie könnten jede Menge Anpassungsmöglichkeiten einbauen und die Spieler damit ihren Spaß haben lassen, aber vermutlich werden sie nur neue Teams, Turniere und vielleicht sogar Spiel-Modi bringen. Die momentanen Möglichkeiten sind sehr dünn. Das wäre weniger schlimm, wenn es bei den Einzelspielermatches mehr Varianten gäbe und die Präsentation einfach mehr Charme hätte. Mit so vielen Alternativen auf dem Markt und einer Version, die sich noch derart unfertig anfühlt, kann man das Spiel zur Zeit nicht wirklich empfehlen.

Abschließend muss ich noch mal Rocket League erwähnen, aber nur, weil es bei unserem Interview mit Dino Dini in diesem Jahr mehrfach erwähnt wurde. Wir alle lieben Psyonix' Variante von Fußball mit Autos, nicht nur weil man es als echter Experte spielen kann, sondern auch weil der Weg bis dahin so viel Spaß macht. Die Mechaniken sind ausbalanciert und es ist voll Tiefgang und dabei trotzdem so zugänglich, dass jeder sofort loslegen und seinen Spaß haben kann. Kick Off Revival hat dagegen nicht den Charme und die sofortige Spielbarkeit. Und während Rocket League seine Seele durch Teamarbeit und Chaos erhält, fühlt sich das Kick Off-Reboot unfertig, unterernährt und wie ein Rezept für spielzerstörende Ausnutzung bestimmter Mechaniken an. Das wird vielleicht eines Tages besser, aber Digital Lounge muss das Spiel erheblich verbessern, wenn Dino Dini wieder in der obersten Liga mitspielen soll.

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03 Gamereactor Deutschland
3 / 10
+
simple Steuerung aber schwierig zu meistern, schöne Gameplay-Erfahrung, Euro 2016-Modus
-
schlimme KI, kein Abseits, Torhüter nur mit langem Abschlag, zu aggressives Onlinespiel, bisschen zu buggy, kein Charme
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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