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Ein Tauchgang in die Spielebibliothek des Steam Deck

Wir haben eine Reihe von Spielen mit unterschiedlichen Leistungswerten getestet, um zu sehen, wie sie sich auf dem neuen Handheld-System von Valve schlagen.

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Die Veröffentlichung des Steam Deck könnte ein potenziell bahnbrechender Moment sein. Sony hat vor vielen Jahren mit der Playstation Vita eine „Revolution" für das Themenfeld des Handheld-Gamings versprochen, doch diese Veränderung sollte nicht eintreffen. Jetzt können wir vielleicht endlich ein in Massen produziertes Handheld-Gaming-Gerät von einer seriösen Quelle beziehen, das uns sofortigen, batteriebetriebenen Zugang zu AAA-Spielen mit anständigen Grafikeinstellungen und Bildraten verspricht.

Wir haben die Hardware in einem separaten Artikel überprüft und uns mit Eingabemethoden, der Qualität der Tasten, der verwendeten Materialien und die auf Proton basierende SteamOS-Schnittstelle beschäftigt. In diesem Text gehe ich hingegen auf einige der Games ein, die ihr am Ende auch spielen könntet. Die Auswahl umfasst ein paar Spiele, die „von Valve empfohlen" - sprich direkt für die Hardware des Steam Deck optimiert - wurden, sowie einige kleinere und letztlich nicht optimierte Titel.

In diesem Artikel werden wir euch zeigen, wie die Benutzbarkeit des Handheld-PCs ausfällt und auf welche Hürden man stoßen könnte, wenn man ein Spiel auf dem Gerät spielen möchte. Nutzer müssen sich auf etwas Bastelei einstellen, ehe sie das benutzerdefinierte Erlebnis finden, das sie suchen. Über ProtonDB lassen sich die Kompatibilitäts- und Optimierungsgrade jedes einzelnen Steam-Spiels für das Steam Deck einsehen. Die Plattform unterscheidet zwischen „Platin" bei Spielen, wie dem kürzlich veröffentlichten Expeditions: Rome, bis hin zu Smilegates Lost Ark, das sich aufgrund fehlender Unterstützung einen „Borked"-Tag verdient hat (die oberste Bemerkung lautet: „Lässt sich nicht starten, rührt es nicht an!").

Das kommt nicht oft vor, aber sehr beliebte Spiele, wie Fall Guys: Ultimate Knockout, Halo Infinite, Destiny 2 und Dead by Daylight, sind alle mit der gleichen Warnung ausgestattet worden Die Benutzer beschweren sich darüber, dass die Menüs auf dem Steam Deck entweder keine Eingaben registrieren oder das Spiel überhaupt nicht startet. So ist das Leben eines Linux-basierten Systems - dessen Funktionalität breit gefächert, quelloffen und bis zum Rand mit klugen Köpfen gefüllt ist, die bereit sind, die Stunden zu investieren, um etwas zum Laufen zu bringen. Letztlich gibt es keine Garantie dafür, dass ihr auf dem Steam Deck das spielen könnt, was ihr wollt.

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Vielleicht habt ihr bemerkt, dass fast alle dieser unspielbaren Anwendungen auf intensiven Mehrspielerangeboten basieren und das ist kein Zufall. Die meisten dieser für Windows-entwickelten Online-Games haben keine Linux-Versionen erhalten, da dies Varianten bestehende Anti-Cheat-Technologien einfach(er) umgangen könnten. Die meisten dieser Titel werden auf ProtonDB deshalb direkt mit einer speziellen Warnung markiert und wenn der betroffene Entwickler kein Interesse daran hat, eine spezielle Linux-Version zu entwickeln, dann kann das Problem nicht behoben werden - auch nicht mit dem guten Willen der Community. Bei vielen neuen Linux-Benutzern könnte sich das durch die Einführung des Steam Deck natürlich ändern, aber auch das ist keine Garantie.

Die Verwendung von ProtonDB ist ein guter Weg, um zu prüfen, ob euer Anwendungsfall mit dem Steam Deck realisiert werden kann. Wer weniger abenteuerlustig ist, kann ein Tool wie CheckMyDeck ausprobieren, das einen Scan eurer bestehenden Steam-Bibliothek durchführt. Das Werkzeug zeigt euch an, was funktionieren wird und was nicht.

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Alien: Isolation - native Unterstützung

Dieses Spiel wird nativ von Linux, Proton und somit auch dem Steam Deck unterstützt, was bedeutet, dass Creative Assembly selbstständig Ressourcen verwendet hat, um es für diesen speziellen Anwendungsfall und für Linux im Allgemeinen zu optimieren. Nach dem Start wurde eine reguläre Steuereingabemethode bestehend aus den Analog-Sticks, dem D-Pad für sonstige Tastenkombinationen und den Face-Buttons registriert. Im Verlauf von mehr als einer Stunde Spielzeit gab es keine Abstürze, kein Stottern oder technische Probleme jeglicher Art. Das Spiel lief in der Bildschirmauflösung von 1280x800 mit mehr als 70 Bildern pro Sekunde bei hohen Grafikeinstellungen einwandfrei, und obwohl es immer wieder zu Rucklern kam, blieb es ansonsten ein nahezu perfektes Handheld-Spielerlebnis ohne jegliche Kompromisse.

Control - Platinum

Control, hier in der Ultimate Edition, hat eine Platin-Bewertung auf ProtonDB erhalten. Wie bei Alien: Isolation gab es weder einen einzigen Absturz noch irgendwelche potenziellen Probleme auf dem Steam Deck. Die reguläre Controller-Voreinstellung wurde automatisch ausgewählt und es lief genauso, als ob ein Controller mit einem PC gekoppelt gewesen wäre. Bei der Auflösung von 1280x800 erreichte ich etwa 60fps in den niedrigsten Grafikeinstellungen, aber wie im vollständigen Hardware-Test erwähnt sieht das bei einem Bildschirm von nur sieben Zoll viel besser aus, als zunächst befürchtet. Die grafischen Details, die Bildrate und die Reaktionsfähigkeit waren sehr beeindruckend; vor allem, da die Erstveröffentlichung des Actionspiels alle Konsolenbenutzer zwang, den Titel nur mit 30 Bildern pro Sekunde zu spielen.

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Red Dead Redemption 2 - Gold

Dieses Spiel ist mit einer „Gold"-Markierung ausgestattet worden, die einem großen Teil der hochkarätigen AAA-Veröffentlichungen anhaftet. Bei diesem Spiel habe ich zum ersten Mal Spielabstürze und merkliches Stottern festgestellt. Mit dem Grafik-Preset „Ausbalanciert" hing die Framerate im unteren 40er-Bereich, aber das war bei voller APU-Auslastung und so ziemlich voller Systemauslastung. Das kann sich zwar auf die Akkulaufzeit auswirken, aber im Allgemeinen war die Leistung beeindruckend genug. In Anbetracht des eher methodischen Tempos von Red Dead könnten sich 41 bis 45 fps in Saint Denis zu Pferd als flüssig genug erweisen.

Trotzdem: während einer einzigen Stunde stürzte das Spiel zweimal ab und in einem Fall hing das Bild für etwa zehn Sekunden, ehe ich das SteamOS öffnen konnte. Die Abstürze erfolgten unabhängig voneinander, sie lassen sich also nicht an eine bestimmte Situation koppeln. Außerdem stotterte die Bildrate des Spiels zweimal und pendelte sich bei etwa 20 fps ein, bevor sie wieder anstieg. Ein Blick auf ProtonDB zeigt, dass diese Probleme zwar selten, aber dennoch auftreten. Bei der Recherche zu diesem Artikel habe ich auch God of War ausprobiert, das übrigens ebenfalls eine Gold-Bewertung hat, aber erhebliche Leistungsprobleme hatte. Die führten dazu, dass das Spiel nicht mehr als 35 fps erreichte.

Deathloop - Silver

Aufgrund der silbernen Linux-Bewertung habe ich größere Probleme mit Arkanes aktuellem Hit erwartet, doch das Spiel lief überraschend flüssig - ich nehme deshalb an, dass die ProtonDB-Bewertungen ihre eigenen Probleme mit sich bringen können. Bei einer Auflösung von 1280x800 und 60 Bildern pro Sekunde ließen sich zwar Ruckler feststellen und einen Absturz gab es auch, aber das Game lief insgesamt besser als das mit Gold bewertete Red Dead Redemption 2; und das auch noch ohne jegliche Eingriffe. Deathloop ist allerdings auch das erste Spiel, das die Erkennung der Controllereingaben verpatzt hat und sich für eine Kombination aus Controllereingaben mit den Face-Buttons, sowie dem linken haptischen Pad als Maus entschieden hat. Das geschah bereits bei Half-Life 2, das ein Steam-Controller-ähnliches Setup verwendet. Im Klartext bedeutet das, dass ihr einige Modifikationen im Steuerungsmenü vornehmen müsst - etwas, woran ich mich erst einmal gewöhnen musste.

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Just Cause 2 - Bronze

Just Cause 2 wird von den Community-Standards nicht als „versemmelt" angesehen, es ist auf dem Steam Deck aber trotzdem nicht zu empfehlen. 60 fps waren fast unmöglich, der Sound knisterte und knackte gelegentlich aus den Onboard-Lautsprechern, die Steuerungsempfindlichkeit setzte sich immer wieder selbst zurück und grafische Störungen waren während des gesamten Tests weit verbreitet. Während ProtonDB-Benutzer die Installation zusätzlicher Software wie ProtonTricks und Wine als unschätzbare Hilfsmittel anführen, könnte dies für einen gelegentlichen Steam-Deck-Besitzer zu viel Aufwand sein. Es ist zumindest ein Beispiel für einen Titel, bei dem man offensichtlich etwas basteln muss, damit er richtig funktioniert.

Ein kurzer Blick auf ProtonDB zeigt das Ausmaß sowohl der Möglichkeiten als auch der Probleme auf, mit denen Steam-Deck-Besitzer konfrontiert werden. Über 4500 Spiele werden von drei oder mehr Proton-Liebhabern empfohlen, und es gibt über 700 direkt verifizierte und spielbare Spiele. Kann man erwarten, dass sich die Unterstützung der Spiele mit der Einführung der Hardware verbessert? Schwer zu sagen. Das Steam Deck ist ein unglaublich beeindruckendes Stück Hardware, und obwohl es unter Linux läuft und SteamOS nutzt, kann das Gerät mühelos als gelegentlicher AAA-Handheld funktionieren. Dass es keine Kompromisse gibt, ist aber nicht wahr, und darüber müssen sich alle Nutzer bewusst sein.



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