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Crash Bandicoot 4: It's About Time

Crash Bandicoot 4: It's About Time

Toys for Bob kehren mit einem neuen Jump'n'Run-Abenteuer zurück, um dem coolsten Beutelteufel der Welt durch verschiedene Dimensionen zu hetzen.

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Obwohl ich Fords Rezension von Crash Bandicoot: Nsane Trilogy etwas hart finde, lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es dem Remaster der drei originalen Crash-Bandicoot-Spiele inhaltlich an Spieltiefe mangelt. Das sich wiederholende Gameplay und die ungenaue Steuerung machen der tollen Sammlung ebenfalls zu schaffen, doch da gibt es noch etwas anderes, das diesen Games in die Quere kommt. In den letzten 20 Jahren hat sich im Bereich der 3D-Plattformer halt einiges getan und Naughty Dogs Beutelteufel ist seit 1996 unterwegs. Das hinderte mich alles aber nicht daran, mich sehr auf das neue Spiel zu freuen, das Toys for Bob vor einigen Monaten ankündigte. Die Entwickler wollten einen völlig neuen Eintrag in der Serie erarbeiten, das Feedback an der Nsane-Trilogie nutzen und daraus eine echte Fortsetzung anfertigen. Nach dem Durchspielen von Crash Bandicoot 4: It's About Time kann man mit Sicherheit sagen, dass Toys for Bob der Herausforderung gewachsen war, obwohl Crash und seine Freunde in gewisser Weise immer noch etwas zu kurz kommen.

Einige der besten Änderungen sind von Anfang an erkennbar, darunter der neue visuelle Stil und die noch verrücktere Darstellung der Themenwelten. Jedes einzelne Objekt, das man in den Filmsequenzen oder während des Spielens sieht, erfüllt den Bildschirm mit Liebe zum Detail und es lässt das Geschehen gleichzeitig im gesamten Spektrum auffälliger Farben erstrahlen. Diejenigen von uns, die immer noch den klassischen Stil von Looney Tunes lieben, haben hier einen echten Leckerbissen bekommen. Crashs Art erinnert mich an Mr. Bean, mit einer Mischung aus Slapstick-Humor und liebenswerter Persönlichkeit, die uns immer wieder in noch absurdere Situationen bringt. Darstellung und Klangwelt der verschiedenen Welten und Universen ist so verrückt, dass ich mir beinahe wünsche, Activision könnte mir Crash Bandicoot 4: It's About Times Sinn für Stil in meine Netzhaut einbrennen.

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Die neuen Masken sorgen für schöne Tempowechsel, obwohl man sie nur in sehr vorgegebenem Umfang verwenden darf.

Diese Elemente sind an und für sich bereits genug, um dem wiederbelebten Franchise neues Leben einzuhauchen, aber die Weiterentwicklung hört hier noch nicht auf, denn dieser Sinn für Lebendigkeit und Abwechslung spiegelt sich auch im Gameplay wider: Vorbei sind die Zeiten, in denen wir minutenlang in Richtung der Kamera flüchten oder durch Bereiche gelaufen sind, die so linear sind, dass man beim Passieren Gefahr läuft, Klaustrophobie zu bekommen. Diese beiden Aspekte spielen zwar noch immer eine Rolle, doch mittlerweile verändert sich die Perspektive im Verlauf einer einzigen Mission auf vielfältige Art und Weise. Man merkt dem Projekt also an, dass die Entwickler vielfältigere Level bauen wollten.

Trotzdem könnte es nach einer Weile eintönig werden, sich durch ähnlich aussehende Umgebungen zu bewegen. Deshalb möchte ich Dr. Neo Cortex und Nefarious Tropy dafür danken, dass sie Risse in andere Dimensionen geöffnet haben, als sie ihrer prekären Situation entkommen sind, in der wir sie am Ende von Crash Bandicoot: Warped zurückgelassen haben. Die meisten Dimensionen bestehen nur aus einer Handvoll Gebiete, sodass man nicht die Chance hat, sich an Sandstränden oder Dschungelabschnitten satt zu sehen, bevor man zur einer Piratenbucht, einer futuristischen Fabrik oder einer der anderen, sehr unterschiedlichen Dimensionen gebracht wird, die ich hier nicht verderben werde.

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Die Tiefenwahrnehmung in diesem Titel bleibt ein Problem, da sich keine Spielfigur so leichtfüßig oder reaktionsschnell anfühlt, wie ich es gerne hätte.

Neue Bereiche bedeuten auch neue Bedrohungen: Die Feinde werden tödlicher und haben weniger Schwachstellen, Gebiete fallen komplexer aus und wachsen in ihrer Größe, während das Plattforming mehr Präzision und Timing erfordert, wenn weitere Gefahren eingeführt werden. Sobald das Spiel ausgefeilter wird, verändert sich auch der Sinn für Erkundung: Anfangs war ich mir nicht sicher, was ich von der Einführung des neuen, „modernen Spielmodus" halten sollte, der uns unendlich viele Leben zur Verfügung stellt. Mittlerweile verstehe ich es aber, denn der sorgt dafür, dass auch neue Spieler Spaß an diesen knackigen Jump'n'Run-Herausforderungen entwickeln können. Die zugänglichere Spielweise lässt mehr Raum zum Experimentieren und Erkunden von Geheimnissen, was Crash Bandicoot 4: It's About Time oft auf coole Weise belohnt. Ich habe etliche Male ein verstecktes Juwel, eine Kiste oder eine lustige Referenz gefunden, indem ich einen Seitenweg eingeschlagen habe oder auf kreative Weise mit einem Objekt interagiert habe. Das hätte ich nicht unbedingt in einem vermeintlich linearen Plattformer erwartet.

Dieses vierte Kapitel ist ebenso wie seine Vorgänger eine herausfordernde Angelegenheit, daran rüttelt selbst der moderne Modus nur wenig. Um alle Edelsteine und Skins im Spiel zu erhalten, müssen wir alle Kisten in einem Level zerstören, ohne mehr als dreimal zu sterben. Wer das gesamte Level absolviert, ohne einmal zu sterben, erhält darüber hinaus besondere Belohnungen. Für Vervollständiger wird das jedoch sicherlich kein Spaziergang werden.

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Eine beeindruckende Vielfalt an Herausforderungen untermalt diesen Punkt: Ein Bosskampf im Guitar-Hero-Stil, überraschende Perspektivänderungen während besonderer Verfolgungsjagden, die besonders knifflige Kombinationen von Hindernissen, die auf kreative Art und Weise die Level-Architektur revolutionieren, und die Möglichkeit, Seile zum Schwingen zu verwenden; all das sind Änderungen, die für sich genommen kleinteilig klingen, in ihrer Gesamtheit aber einen großen Unterschied machen.

Wer eine noch größere Herausforderung sucht, der sollte den als „Flashback Tapes" bezeichneten Abschnitten aufsuchen, die es in jedem Level gibt. Sagen wir einfach, dass Cortex hier früher seine Crash-Experimente durchgeführt hat und sie entsprechend schützen wollte. Zum Abschließen dieser kleinen Herausforderungen bedarf es einiger überaus präziser Fähigkeiten mit dem Gamepad, sowie eine enorme Menge an Geschicklichkeit. Nachdem ich das alles abgehandelt habe, sollten wir aber langsam über die großen Neuerungen sprechen: Es gibt nämlich noch neue Fähigkeiten und spielbare Charaktere.

Wir schalten im Spielverlauf spezielle Masken frei, die an eigene Spielmechaniken gebunden sind. Lani-Loli ermöglicht es uns, Objekte in und aus dieser Dimension zu verfrachten. Kupuna-Wa verlangsamt die Zeit, während Ika Ika unsere Schwerkraft umpolt. Außerdem dürft ihr mit 'Akano gegen Ende des Spiels eure Machtphantasie ausleben, aber mehr werde ich dazu nicht verraten. Es sind schöne Tempowechsel, obwohl man sie nur in sehr vorgegebenem Umfang verwenden darf, was das wahre Potenzial dieser Mechaniken etwas mindert.

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Die vielen kleinen Änderungen wirken für sich allein genommen kleinteilig, doch in ihrer Gesamtheit machen sie einen großen Unterschied aus.

Umso besser ist es also, dass das Spielen mit anderen Spielfiguren nicht den gleichen Einschränkungen unterliegt. Abgesehen von Crash und seiner Schwester Coco haben all diese Charaktere speziell für sie gebaute Level erhalten, in denen wir ihre besonderen Fähigkeiten nutzen. Das verändert häufig die Art und Weise, wie wir einen Jump'n'Run-Abschnitt lesen müssen, weil sich durch diese Kräfte eine Menge verändert. Ich habe dazu schon einiges in meiner Vorschau geschrieben und kann bestätigen, dass sich diese Struktur auf Dingodile, Tawna und einige andere Überraschungen überträgt, mit denen wir im Spielverlauf von Crash Bandicoot 4: It's About Time Zeit verbringen.

Wie eingehend erwähnt, verbessert Crash Bandicoot 4: It's About Time viele der Aspekte, die mir bereits früher mehr oder weniger Spaß bereitet haben. Neben einigen alten Überresten weist der Titel aber leider auch neue Nachteile auf. Viele der Level, in denen wir andere Charaktere übernehmen, gehören nicht unbedingt zu den spielerischen Highlights dieses Titels. Meine Befürchtungen haben sich also bewiesen, da viele der Abschnitte, in denen man Crashs oder Cocos Abenteuer aus der Perspektive einer anderen Spielfigur erlebt, letztlich nur leicht veränderte Versionen derjenigen Herausforderungen sind, die wir bereits einmal abgeschlossen haben. Es gibt nur wenige Beispiele, in denen wir eine bedeutende neue Erkenntnis gewinnen, indem wir zu einem anderen Charakter wechseln. Das Team hätte die alten Gebiete also nicht unbedingt recyceln müssen, weshalb diese relative Wiederholung verschenktes Potential ist. Ansonsten ist die Vielfalt nämlich erstklassig gelungen.

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Das visuelle Erscheinungsbild von Crash Bandicoot 4: It's About Time hat meinen vollsten Respekt. Das Spiel sieht einfach fantastisch aus.

Wenn wir von Mängeln sprechen, die aus den Klassikern übertragen wurden, dann bin ich immer noch kein Fan davon, wie das Spiel die Tiefenwahrnehmung handhabt. Immerhin liegt ein hilfreicher Indikator unter unserem Charakter, doch keine Spielfigur fühlt sich so leichtfüßig oder reaktionsschnell an, wie ich es gerne hätte. Das sorgt dafür, dass man immer mit einer gewissen Anspannung über Nitro-Kisten oder Objekte springt, die den sofortigen Tod bedeuten, sobald wir sie beruhigen. Dass ich solche Herausforderungen schon hunderte Male erfolgreich (und weniger erfolgreich) absolviert habe, ändert an diesem mulmigen Gefühl rein gar nichts. Es ist und bleibt sehr schwer, ein absolutes Verständnis für die 3D-Tiefe des Spiels zu entwickeln. Aus all den Kisten, die ich in einem Zeitrennen verpasst habe, weil ich die Entfernung zu ihnen nicht richtig abschätzen konnte, könnte man die Chinesische Mauer nachbauen...

Diese Mängel und der gelegentliche Frust reichen jedoch nicht aus, um mich davon abzuhalten, mich wieder in Crash Bandicoot 4: It's About Time zu stürzen, sobald diese Rezension abgetippt wurde. Die Witze sind lustig genug, dass man die Missionen mehrmals spielen kann. Jede Welt ist so schön und detailliert gestaltet worden, dass es eine Freude bleibt, sie alle zu erkunden. Die Herausforderungen sind so anspruchsvoll und so spannend gestaltet, dass ich noch eine Weile mit diesem Titel beschäftigt sein werde, ehe ich das geheime Ende jeder dieser verzwickten Missionen gesehen habe. Grundsätzlich ist Crash Bandicoot 4: It's About Time also genau das, was die Fans von einer modernen Fortsetzung wollten. Und vielleicht wussten Neulinge bislang nicht, dass sie das ebenfalls brauchen. Ihr müsst euch allerdings an die etwas unberechenbare Steuerung und einige nur leicht optimierte, wiederverwendete Umgebungen gewöhnen.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
cool aussehende und einzigartige Level, einige Details und Sequenzen sind wirklich lustig.
-
die Steuerung ist immer noch zu unpräzise, recycelte Level sind langweilig.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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